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Guerillagärtnern

Stadtgärtnern mit Anleitungen hier

Umweltaktivisten und Künstler schleichen nachts durch Großstädte und verwandeln vollgemüllte Verkehrsinseln in blühende Blumen-Oasen. Der grüne Trend nennt sich „Guerilla Gardening“. art-Autorin Felicitas Rhan hat sich mit Setzlingen, Spaten und Erde ausgerüstet und in der Szene der Pflanz-Partisanen umgesehen.

Pflanzen statt Tanzen:Guerilla Gardening ist Spiel, Spaß und Kunst
Courtesy: Richard Reynolds

Tulpen als Zeichen der Eroberung. Diese Verkehrsinsel in der britischen Hauptstadt wurde erfolgreich von „Guerilla Gardener“ verschönert.

Es ist ein paar Minuten vor Mitternacht. Eine ungewöhnlich milde Frühlingsnacht im Hamburger Schanzenviertel. Ein schwarzer Ford fährt die schwach beleuchteten Straßen entlang. Der argwöhnische Fahrer schaut angestrengt aus dem Fenster, ihm ist die Gruppe Jugendlicher auf dem Gehweg suspekt, die da vermummt und mit Spaten, Eimern und Kisten bewaffnet warten. Und richtig, es sind Kriminelle. Doch ihre Mission ist alles andere als gefährlich. Sie wollen gärtnern.
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Das Auto fährt weiter, und die Gruppe macht sich an die Arbeit. Bepackt mit Pflanzensamen der Sorte „Sperlings Schmetterlingswiese“, kleinen Setzlingen von Lavendel bis zur Stechpalme, einem Sack Blumenerde, Spaten, Schaufel und einer grünen Gießkanne sucht sich die Gruppe den Ort ihres Verbrechens: den Seitenstreifen eines Gehwegs in einer kleinen Einbahnstraße. Die vier Hamburger Studenten knien vor dem Häufchen Elend, dass es zu Verschönern gilt: Im spärlichen Licht der Straßenlaternen, die die betongraue Stadtlandschaft noch trister macht, verbringen sie die nächsten zwei Stunden damit, den verödeten Seitenstreifen in ein frisches, farbenfrohes Beet aus Primeln, Krokussen, Tulpen und Immergrün zu verwandeln.

„Guerilla Gardening“ nennt sich der neue Trend, der in New York bereits in den siebziger Jahren begann, in London seine stärkste Verbreitung fand und nun auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Vor allem in Berlin wimmelt es von Botanik-Aktivisten und Pflanz-Partisanen. Ihr Ziel ist es, aus Gehwegen und vollgemüllten Verkehrsinseln blühende Oasen aus Blumen und Sträuchern zu machen. Dabei finden die Bepflanzungen immer nachts statt, denn „Guerilla Gardening“ ist illegal. Nur wer eine Genehmigung der Stadt hat, darf auf öffentlichen Plätzen etwas anpflanzen. Aber die Polizei – platzt sie denn einmal zufällig in eine Bepflanzungsaktion – ist meist eher amüsiert und lässt die Blumenfreunde friedlich weiterarbeiten.

Aber seit wann ist Gartenarbeit cool? Hält man als Jugendlicher Rasenmähen, neben Tischdecken und Hausschuhen, nicht für den Inbegriff des Spießigen? „Nein, durch unser soziales Engagement wollen wir diese trostlose Gegend hier verschönern“, sagt einer der Wildgärtner, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Außerdem gefällt uns der Gedanke, dass wir etwas Verbotenes tun, was aber eigentlich jeder gut findet. Wer will denn nicht lieber Blumen vor seiner Haustür haben, anstatt Müll und Unkraut?“, sagt ein anderer, der sich komplett in seinen schwarzen Kapuzenpulli hüllt. So wird plötzlich Gartenarbeit aufregend, spannend und zur neuen Freizeitgestaltung: Umgraben statt Angraben, Pflanzen statt Tanzen. Ein Mädchen der Hamburger Gartentruppe liebäugelt mit den Primeln, die sie gerade gepflanzt hat. „Wie schön wäre es, wenn überall in der Stadt die Gehwege so hübsch aussähen wie hier.“
„Ein guter Guerillero kann alleine und im Team arbeiten“

Die Ideen und Intentionen der grünen Kampftruppen sind so verschieden wie die Blumen, die sie pflanzen. Einigen geht es um politische Aussagen, sie pflanzen vorzugsweise Disteln auf Golfplätze, Brennnesseln in Parks von Vorstandsvorsitzenden oder stören Gentechnik-Freilandversuche durch heimliches Zwischensäen von natürlichen Pflanzen. Anderen geht es schlicht um die Verschönerung ihres Stadtteils. Als „Heinzelmännchen-Gärtner“ engagieren sie sich heimlich in ihrer Nachbarschaft und graben, jäten und sähen in Gemeinschaft gleichgesinnter Samenspender.

Der Brite Richard Reynolds ist Europas bekanntester Guerilla-Gärtner. Tagsüber arbeitet der 31-Jährige als Werber, und nachts schleicht er sich mit seinen grünen Rächern durch Londoner Straßen – ständig auf der Suche nach dem nächsten Unkraut. Alles begann, als er 2004 im Alleingang anfing, seine Londoner Wohngegend zu bepflanzen. Heute zählt seine Webseite GuerrillaGardening.org über 4000 Mitglieder. „Ich teile sie in Truppen ein und gebe ihnen Nummern. Aber natürlich sind nicht alle Registrierten wirklich aktiv. Aber ich gebe mein Bestes, sie zu überzeugen!“, erzählt Reynolds. Termin und Ort der Aktion werden in Internetforen vereinbart, und dann trifft man sich in Gruppen oder arbeitet allein. „Ein guter Guerillero kann alleine und im Team arbeiten,“ sagt der Anführer.

Aber ist diese Gartenarbeit auch Kunst? Die Gruppe „Kampolerta“ aus Wien verbindet das Gärtnern mit dem Kreativen. Mit kleinen Aktionen wie dem Projekt „Phoenix“ – bei dem sie Aschenbecher in der U-Bahn mit Blumen bepflanzten – versucht die 24-köpfige Gruppe, die hauptsächlich aus Landschaftsplanern besteht, neue Sichtweisen auf den öffentlichen Raum zu evozieren. „Wir bewegen uns zwischen den Feldern Urbanismus, Landschaftsarchitektur und Kunst“, erklärt ein Mitglied. Aber „ob sich Guerillia Gardening als Kunstrichtung und nicht auch als soziale, stadtgestaltende, raumgreifende Bewegung versteht, bleibt für uns ungeklärt und ist auch nicht eindeutig zu kategorisieren“, meinen die Wiener Hobbygärtner. „Für einige Guerilla Gardener ist das definitiv Kunst“, sagt
Reynolds, „für andere weit davon entfernt, sie sehen es als einfaches Gärtnern. Der Akt der Handlung ist das Ereignis, es ist wie Straßen-Theater. Leute halten an, fragen, denken, debattieren, machen Fotos und befassen sich damit.“
„Es macht Spaß, ist irgendwie cool und sieht schön aus“

Betrachtet man die Kunstgeschichte, so gibt es zahlreiche Aktionen, die man heute als „Guerilla Gardening“ bezeichen könnte. Joseph Beuys hatte zwar die Genehmigung der Stadtverwaltung für sein Projekt „7000 Eichen“ (1982) in Kassel, aber auch ihm ging es dabei um eine klassische Aufforstung mit dem Ziel, den urbanen Lebensraum nachhaltig zu verändern. Ähnlich sieht es Ben Wagin, der mittlerweile 77-jährige Umweltaktionist und Baumpate aus Berlin. Als er Bäume an der Berliner Mauer für sein Kunstwerk „Parlament der Bäume“ (1990) eingrub, verfügte er zwar über keine Erlaubnis, dafür aber über die Mithilfe zahlreicher prominenter Gärtner. Und auch der holländische Künstler Helmut Smits pflanzte für die Kunst. Für seine Arbeit „Tree in front of a billboard“ (2006) setzte er einen Baum direkt vor eine Werbetafel. „Ich kam darauf, weil ich die ansteigende Informationsflut satt hatte,“ sagt der in Rotterdam lebende Künstler.

Trotz aller Parallelen ist „Guerilla Gardening“ mehr Handwerk als Kunst. Natürlich kann das Pflanzen von symbolischen Blumen oder auch die Farbwahl der Sträuchern einen tieferen Sinn haben und ist dann meist auch Ausdruck einer Gesellschafts- oder Systemkritik. Aber vor allem taucht der Spaß- und Abenteuerfaktor immer wieder als Begründung für die Pflanzaktionen auf: „Eine richtige Zurückeroberung der Straßen wirkt eben nachts besser und ist auch lustiger,“ meinen die Hamburger Wildgärtner. Man könnte fast glauben, dass zum neuen Öko-Bewusstsein der heutigen Gesellschaft nun auch die abenteuerliche Gartenarbeit dazugehört. Wem Öko als Lifestyle à la Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) mit seinen Alnatura-Discountern, den Aldi-Bio-Produkten, dem Trendgetränk „Bionade“ und den H&M-Ökotextilien aus kontrolliert biologischem Anbau schon wieder zu langweilig und mainstreamig ist, der sucht das Außergewöhnliche im Illegalen.

Offen bleibt die Frage, ob sich die nachts so begeisterten Guerilla Gardener auch für die Nachbarschaftspflege einsetzen würden, wenn das Untergrundgärtnern den Reiz des Außergewöhnlichen und Verbotenen verlieren und völlig legal tagsüber stattfinden würde. Die vier Studenten aus Hamburg sagen: „Natürlich! Allerdings haben wir tagsüber Uni. Aber es macht Spaß, ist irgendwie cool und sieht schön aus.“ Na dann. Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s ein!
Mehr zum Thema im Internet

Die Webseite Richard Reynolds (mit deutschem Forum)
Das Gartenpiraten-Portal (mit Links und Tipps)
Blog zur Kultur der Natur

Felicitas Rhan
10.04.2008

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Urbane Gärten

Anstiftung zum Stadtgärtnern

Durch Stadtgärten  werden Verbesserungen der Wohnqualität , Einfluß auf die Artenvielfalt, und vor allem Bienen bekommen Lebensraum .

Gärten in der Stadt sind ein wichtiger Lebensraum für alle,denn ohne Bestäubung keine Pflanzen und ohne Pflanzen keine Menschen. Vom Honig garnicht zu reden…

Gemüse vom Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg: Die Pflanzen gedeihen platzsparend in Kisten

Gemüse vom Prinzessinengarten in Berlin

Dabei ist aber auch der weitgehende Verzicht auf Pestizide  wichtig- und dafür ist die Stadt zuständig.

In Wien wird mit den urbanen Gärten und ihrem Einfluß auf Bienen gearbeitet

wien.gv.at/artenvielfalt.html

Honig aus der Innenstadt (Freiburg)

Honig aus Freiburg

Als weitere Beispiele ein Projekt aus Köln und eins aus Bonn:

http://www.neuland-koeln.de/

Bildergalerie

und ein Projekt aus Bonn

Was also  hindert uns daran, für ein gutes Klima für Bienen zu sorgen- und damit für unser Überleben? Außerdem macht es Freude gemeinsam etwas zu schaffen  und den Erfolg zu feiern. Bestimmt ist auch in Ihrer Nachbarschaft ein Baum auf Erde gepflanzt, eine hässliche Ecke zwischen Häusern oder ähnliches, das zum Garten werden kann.

Hier ein Artikel der TK

Anregungen finden Sie auch hier

Urban Gardening

Besonders kräftig sind zumeist die Alten Sorten 

 

Gartenkalender

Link zum Kalender

zweite Aussaat lohnt sich:

Gemüsegarten vorbereiten

Heidelberg/Bremen – Das Frühjahr gilt gemeinhin als Pflanzzeit. Doch auch in der zweiten Jahreshälfte kann sich eine Aussaat lohnen. So kann man bis in den Winter frisches Gemüse ernten:

Buschbohnen, Spinat, verschiedene Sorten an Salaten und Kohl – die Auswahl an grünem Gemüse für eine Aussaat ab Juli ist groß. Und der Aufwand lohnt sich, davon ist Heike Sauer von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg überzeugt. „Wer in der zweiten Jahreshälfte noch einmal aussät, kann mindestens bis in den späten Herbst hinein frisches Gemüse ernten.“

Grundlage hierfür ist eine optimale Vorbereitung des Beetes. Und das heißt: erst aufräumen, dann aussäen. „Große, abgefallene Blätter oder Wurzelreste des erstgepflanzten Gemüses stören die Entwicklung der nachfolgenden Keimlinge“, erläutert die Agraringenieurin.

Für ihre Entwicklung brauchen die Sämlinge in den ersten Wochen ausreichend und regelmäßig Feuchtigkeit. Gerade das ist an heißen Tagen eine Herausforderung. „Sonne und Wind trocknen eine offene Bodenoberfläche schnell aus“, sagt Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen. „Mulch wie getrockneter Grasschnitt, Stroh oder Rhabarberblätter halten die Feuchtigkeit besser im Boden.“